Daten – entscheidender Faktor für die Bundestagswahl

Bundestag

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Berlin, den 20. September 2017 | Am 24. September ist es soweit, Deutschland wählt und entscheidet somit über die politische Richtung der nächsten vier Jahre. Was bei der Wahl zum 19. deutschen Bundestag für den Wähler mit dem Gang zum Wahllokal oder dem nächsten Briefkasten getan ist, bedeutet für die Parteien, aber auch Außenstehende, viele Wochen harte Arbeit im Vorfeld. Nicht neu ist, dass die Parteien um die Gunst und letztendlich die Stimme der Wähler werben, und dabei unterschiedliche Methoden nutzen. Neu, zumindest relativ, ist aber die Tatsache, dass dabei immer stärker auf digitalen Wegen für die eigenen Qualitäten getrommelt wird. Dabei ist jedoch zu differenzieren, welche Methoden gezielten Einsatz finden, welche effektiv sind und welchen digitalen Angriffen sich die Parteien ausgesetzt sehen.

Die Digitalisierung der politischen Auseinandersetzung bedeutet für die Mitglieder der Parteien, für Wahlkampfhelfer, aber auch Teile der Bevölkerung Neuland, dessen Erkundung für viele eine Reise ins Ungewisse bedeutet und eine gewisse Nervosität hervorruft. Schlagwörter wie „Big Data“ oder „Microtargeting“ schwirren durch die politische und weniger politische Landschaft. Doch was steckt dahinter?

Big Data haben im Wahlkampf der Präsidentschaftswahlen in den USA eine zentrale Rolle gespielt.  Dabei handelt es sich, vereinfacht und wie der Name schon sagt, um sehr große Mengen von Daten. Daten von Wählern, die den Parteien sehr umfassende Informationen darüber geben, wie sie ihre Wahlkampfstrategie optimieren müssen, um Erfolg zu haben. Wem dies besser gelingt und die vorhandenen Daten am besten pflegt, erweitert und interpretiert – ist am Ende oft der Gewinner. Nun besteht in den USA einerseits ein anderes Wahlsystem, als in Deutschland, andererseits sind die Gesetze zum Datenschutz in Deutschland deutlich schärfer als jene in den USA.

Trotzdem – auch in Deutschland kommen im Wahlkampf Technologie und vor allem Daten zum Einsatz. So können Wahlkampfhelfer, die in ihren Bezirken von Tür zu Tür von sich oder ihrem Kandidierenden überzeugen wollen, per App auf eine digitale Karte zurückgreifen, die Aufschluss darüber gibt, in welchem Häuserblock sich das Klopfen an die Türen lohnen könnte. Möglich wird dies durch das Verwenden soziostruktureller Daten zu Alter, Geschlecht, Konfession und Einkommen im entsprechenden Wahlbezirk. Nach dem Besuch eines potentiellen Wählers wird der Datensatz per Eintrag in die Datenbank um z. B. dessen Reaktion auf die entsprechende Partei erweitert.

Reichstagsgebäude

Reichstagsgebäude

Während in den USA deutlich genauere Daten über Privatpersonen eine noch gezieltere Ansprache möglich machen, bleibt die Einsicht der Parteien in Deutschland etwas unschärfer. Dementsprechend höher sind natürlich auch die Ausgaben in den USA. So argumentieren Kampagnenchefs großer deutscher Parteien im Jahr 2017, dass sich Microtargeting – also aufwändige Unterteilungen und individuelle Ansprachen verschiedener Zielgruppen in Sozialen Medien – nicht lohnen würde – ganz im Gegensatz zu der Einschätzung in den USA. Dennoch werden 50% des Wahlkampfbudgets in die Arbeit im Internet investiert, so der Wahlkampfmanager einer der im aktuellen, also 18. Bundestag vertretenen Fraktionen.

Für die Parteien gewinnen gut gepflegte und aufbereitete Stammdaten der Wählerschaft mit jeder Wahl an Bedeutung, bis sie in der Zukunft einen sehr zentralen Faktor für das Ergebnis darstellen wird. Stammdaten sind somit nicht nur in Unternehmen, Organisationen und der öffentlichen Verwaltung enorm wichtig, sondern auch für die Wahl des 19. deutschen Bundestages.

 

Quelle: In Anlehnung an WIRED Magazin, Ausgabe 02.2017